Vom Verlieren und Gewinnen

himmel
Jeden Tag verlieren und gewinnen wir. Wir verlieren so manches und damit meine ich nichts Sachliches, sondern Verlust im Sinne von Möglichkeiten, Chancen, Liebe, Beachtung, Wertschätzungen u.s.w. Wir gewinnen aber ebenso, wie Möglichkeiten, Chancen, Liebe, Beachtung, Wertschätzungen u.s.w. Wie man nur unschwer feststellen kann, geht es beidem um die selben Punkte. Ob diese als Verlust oder Gewinn eingeordnet werden, hängt in erster Linie von uns selber ab. Wir sind es die all dem einen Wert geben. Nicht selten ordnen wir so einiges als Verlust ein, was sich vielleicht Jahre später dann doch als Gewinn herausstellt. Ein Verlust kann sich in einen Gewinn wandeln oder sich später als solcher herausstellen, wie aber auch anders herum, sich ein scheinbarer Gewinn als Verlust herausstellen kann. In meinem Leben hat sich schon so mancher Verlust im Nachhinein als Gewinn herausgestellt, bzw. entwickelt. Das Ende meiner Ehe war ein Gewinn. Ich verlor einen langjährigen Partner an meiner Seite und war glücklich endlich alleine zu sein. Die 8 Jahre Single-Dasein habe ich genossen. Als ich gänzlich alleine war, war ich plötzlich völlig frei in der Entscheidung bei der Neu-Gestaltung meines Lebens. Als ich meine Eltern verlor, stellte ich danach umso mehr fest wie sehr ich sie doch liebte. Als meine Mutter nach kurzer schwerer Krankheit „ging“ war ich frei, frei in der Wahl meines Wohnortes. Als mich mein treuer Hund und einziger Partner in hohem Alter“verließ“, war ich freier in der Wahl meines Berufes.  Als ich meinen Job und meine Firma“verlor“ und in der ersten Zeit Hartz4 bezog, musste ich mit sehr wenig Geld auskommen und lernte umso mehr das zu schätzen und zu genießen, was darüber hinaus manchmal möglich war. Der Verlust von Einkommen lehrte mich besser zu haushalten, was mich darauf stolz werden ließ. Als ich im letzten Jahr freiwillig meine 8jährige Freiheit aufgab, stellte ich fest wie schön sich gegenseitige Liebe anfühlt, dass es sie tatsächlich gibt und an die ich schon nicht mehr glauben konnte.

Vieles, von den bisherigen Erfahrungen, war sicher schmerzhaft und zu Anfang kaum vorstellbar, dass ich diese unbeschadet bewältigen könnte. Doch schon nach kurzer oder längerer Zeit stellte sich heraus, dass leichter ging als befürchtet. Andere Umstände führen oft auch zu neuen Sichtweisen und neuen Wertschätzungen. Man lernt Umstände zu schätzen, die man bei freier Wahl wohl niemals ergriffen hätte. Wie wirklich wichtig etwas war zeigt sich oft erst mit zeitlichem Abstand. Sind selbst Monate danach die Gefühle noch betroffen waren es sehr wichtige Erlebnisse. Auch das ist etwas Positives, denn wir sehen klarer, was uns wirklich wichtig ist und war.
Grundsätzlich hat alles im Leben gute und weniger gute Seiten. Zumeist werden wir die guten Seiten jedoch schon allein deshalb nicht erkennen oder erkennen wollen, weil wir im Moment des Verlustes mental dazu gar nicht in der Lage sind. Erst mit Abstand sehen wir vieles dann auch mit anderen Augen und erlauben uns dann auch die Vorteile der neuen Situation zu betrachten. Nichts ist nur schlecht. Selbst das Schlechteste wird irgendwann etwas Positives hervorbringen und wenn es auch nur Bedingungen sind, die das Schlechte weniger möglich machen.
Selbst das Traurigste wird uns andere Sichtweisen ermöglichen, die uns vielleicht toleranter und liebender gegenüber uns selbst und/oder anderen machen. Das erste wird immer sein, dass wir lernen können, aus Gutem wie aus weniger Gutem. Wie weit wir das gehen wollen liegt an uns selbst. Nicht die Umstände sind alleinig gut oder schlecht, sondern unsere Sichtweise lässt es gut oder weniger gut erscheinen. Es tut immer gut etwas mit zeitlichem Abstand nach-zu-betrachten und mal in aller Ruhe darüber nachzudenken, ob das vormals Schlechte auch jetzt noch mit Abstand ganz und gar wirklich so negativ war. Vielleicht gab es da ja doch etwas was uns im Leben auf die ein oder andere Weise weitergebracht hat. Der Spruch, „Mit Abstand sieht man besser“, trägt sehr viel Wahrheit in sich.
Denkt mal drüber nach.

„Wir lieben es wenn die Sonne scheint. Nur die Wolken lassen sie ihre Strahlen nicht immer zu uns dringen. Doch auch diese verziehen sich wieder, irgendwann.“

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