Neele ist da!!

Am 29.Juni war es endlich soweit. Unsere Tochter hat an dem Tag, wie man so schön sagt, das Licht der Welt erblickt. Nun liegt sie gerade in Ihrem weißen Stubenwagen vor mir, hat gerade kräftig in die Windel Dampf abgelassen und befindet sich scheinbar in der Aufwachphase.
Allein das Anschauen ihrer wechselnden, wunderschönen Gesichtszüge ist ein ganz besonderes Erlebnis. Jetzt, wo ich hier schreibe, mache ich mich gedanklich schon einmal bereit, was gleich zu tun ist und in welcher Reihenfolge, wenn Sie nörgelnd aus Ihrem Schläfchen erwacht. Das Leben hat sich wirklich schlagartig mit ihr verändert, zumindest unser privates. Gedanklich ist man jetzt fast nur noch bei ihr. Gibt es eigentlich noch eine Welt um uns herum? Ich glaube nicht. An dieser Stelle möchte ich von den ersten Abschnitten Ihres so jungen Lebens berichten und natürlich wie es sich auf mich und Nancy tagtäglich auswirkt. Lasst uns also beginnen bei Tag 1 Ihres Lebens…oh sorry, sie wird gerade wach…

Tag 1, der 29.6.2016
Am Abend zuvor, so ab 20 Uhr, kamen die Vorwehen bei Nancy ca.alle 10 Minuten. Es zeichnete sich ab, dass Neele nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen würde. Wir gingen gegen 23 Uhr ins Bett und diskutierten, was wohl heute Nacht noch passieren könnte. Trotz regelmäßiger und nun schon unangenehmer Wehen schliefen wir ein.
Um 2.15 würde ich schlagartig wach und vernahm im Halbschlaf, dass Nancy es eilig hatte auf den Weg ins Bad und im Vorbeilaufen sagte:“Die Fruchtblase ist gerade geplatzt“. Also hieß es Aufstehen und Fertigmachen für die Fahrt ins Krankenhaus. Die Sachen dafür hatte Nancy schon Tage vorher zurecht gestellt. Wir wußten da allerdings noch nicht, dass das eigentlich alles zu viel an Sachen war. Das meiste davon würde man garnicht brauchen.
Die Straßen war herrlich frei um diese Zeit und die Dame neben mir meinte so nebenbei, während einer Wehe, das gleich das Kind kommen würde. Also gab ich Gas und fuhr auf der Autobahn zumindest schneller als erlaubt. Im Krankenhaus angekommen, checkten wir ein und wurde in den Kreissaal gebeten. Dort erwartete und eine Hebamme um die 35-40 Jahre und bestach uns gleich mit der so typischen Hebammenruhe. Zunächst ging es aus CTG um die Herztöne und den Wehenabstand zu messen. Auf Nachfrage meinte ich das die Wehen zuletzt so im 2-3 Minuten-Takt kamen, aber das wurde von ihr gleich „abgewiesen“. So schnell kamen sie dann doch wohl nicht . Das CTG zeigte Wehen in 4-5 Minuten Abstand und noch erst bei 40% an Stärke. Nancy meinte das würde noch bis 80% und mehr gehen. Oh man. Mir reichte das jetzt schon.
Nach der Aufnahme und dem Vorchecken, bezogen wir unser Familienzimmer. Hier sollten wir warten und würden dann ab und zu wieder Hebammenbesuch bekommen. Sofern es schlimmer werden sollte, bot man uns an wieder in den Kreissaal zu kommen.
Gegen 6Uhr war es dann auch soweit. Nancy konnte es nicht mehr so gut aushalten.

…kleine Pause..Nancy ist mit Stillen fertig und ich darf meine süße Tochter mal eben aus den Tiefen Ihres Stillkissens befreien…

Also wo waren wir…achja…auf den Weg in den Kreissaal. Nun war Schichtwechsel und ich war froh, dass wir eine andere, etwas „zugänglichere“ Hebamme bekamen. Zunächst wurde wieder CTG gemacht. Bei jeder Wehe, die jetzt in etwas kürzeren Abständen kamen, pustete Nancy nur leise aus. Die Hebamme fragte mich, ob meine Frau immer so leise pustet. Hätte sie mal nicht gefragt, denn gefühlte 20 Minuten später war es aus mit Pusten. Jetzt war Schreien angesagt und das nicht zu wenig. Auf jeden Fall merkte sie, dass es mit größeren Schritte voran geht und meinte dann es wäre Zeit in den wirklichen Kreissaal zu gehen. Es war ca.7Uhr als wir diesen betraten.
Es war nett eingerichtet. Alles in hellen Holztönen, untermalt mit gelben und beigen anderen Farbsegmenten. Hier angekommen ging es dann „zur Sache.“ Alle gefühlten 3 Minuten überfiel Nancy eine Wehe mit Erdbebenstärke 50 und mehr. Am besten könnte sie es im Stehen aushalten und dabei angelehnt und min hineinhängend. Hier merkte ich, dass es doch noch einen anderen sinnvollen Grund gibt, wenn man Krafttraining betreibt.
Die Wehen waren echt heftig und dauerten immer so 40-50 Sekunden.
Ich konnte mit nicht vorstellen, dass sie das noch Stunden so ertragen kann. Gefühlt schrie sie jeden Mal das Krankenhaus zusammen.
Vorher las ich noch, im Familienzimmer, dass sich der Muttermund jede Stunde um 1 cm weitete. Als wir ankamen war er erst 1 Finger breit geöffnet. Also ergab meine Rechnung eine Geburt so um 12 bis 13 Uhr herum. Das meinte auch die Hebamme jetzt im Kreissaal.
Aber Nancy hatte wirklich zu kämpfen und meinte zweimal, dass sie gleich sterben würde. Nein, bitte nicht das auch noch.
Auf Nachfrage nach Schmerzmitteln, baten wir um eine PDA, also eine Betäubung in den Rücken, die die Wehen lindert. So holte dann gegen 9 Uhr, die Hebamme, den Anästhesisten. Dieser war echt nett und schaffte es, zwischen 21 mörderischen Wehen, ihr die Spritze und den Katheder zu legen. Als er fertig war, meinte er die erst leichte Wirkung würde so nach 10 Minuten eintreten und die wirkliche dann gegen 11 Uhr. Als ich das hörte und Nancy anschaute, sah ich sie lächelnd und entspannt auf der Entbindungsliege sitzend. Von Wehenschmerz schlagartig keine Spur mehr. Ich fand das irgendwie grotesk. Eben noch halb sterbend und jetzt strahlte sie mich zufrieden an, während der Wehenschreiber ein Gebirge größeren Ausmaßes auf das Blatt verzeichnete.
Als der Ana…und so weiter den Raum verließ zeigte unsere echt nette Hebamme immer noch ihre bewährte Hebammengelassenheit. Allerdings spürte auch sie, dass es nicht mehr bis Mittag dauern würde.
Nancy bekam nun eine Einweisung was als nächstes passiert, also den Druck beim Gebähren, würde die PDA nicht nehmen. In den nächsten 15 Minuten überschlugen sich dann die Ereignisse. Plötzlich meinte Nancy aufstöhnend, sie müsste drücken, das Baby will raus. Die Hebamme verlor winzig leicht Ihre Gelassenheit und meldete dann der zuständigen Ärztinn per Telefon, dass die Geburt unmittelbar bevorsteht.
Nancy wurde „ermahnt“ bitte nicht zu drücken. Der zu schnelle Druck hilft nicht. Der Kopf muss erst zu sehen sein. Leichter gesagt und getan, wenn eine Neele endlich zu uns will. Also bestimmte sie auch das Tempo und das war jetzt hoch. Auch Nancys Bein war hoch. Sie sollte Ihr Kind in Seitenlage zur Welt bringen und das hieß ein Bein anheben. Ja, das machte sie auch, aber dann auch festhalten, Pustekuchen. Das war dann mein Job. Wer das mal mitgemacht hat, der weiß was es heißt, ca. 20 Kg über eine Dauer von ca.20Minuten zu halten. Nach geschätzt 3-5 mal Drücken hörte ich dann zwischen Nancys leichtem Schreien, ein neues wunderschönes Schreien, und das war das unserer Tochter. Ich wusste nicht mehr wie mir geschah, als ich noch Nancys Bein hielt und ein Baby mit Nabelschnur an mit vorbeischweben sah, als es Ihrer Mütter gereicht wurde. Ich musste mit den Tränen vor Freude kämpfen und verlor. Unser Neelchen war da und es konnte nichts Schöneres geben. Die Gefühle überrannten uns. Ich möchte keine Sekunde missen, die ich bei Neelchens Geburt dabei sein durfte.
Noch in leichtem Trance der Gefühle, bot man mir plötzlich an die Nabelschnur durchzutrennen. Ich war darauf vorbereitet. Dennoch hätte ich nicht gedacht, dass Nabelschüre so fest wie Kunststoffschläuche sein würden. Die Natur ist schon etwas Grandioses. Auch unser Neelchen ist ein Wunder der Natur, wie sie aus Teilen von Nancy und mir mit allem so perfekt entstehen konnte.

Die Minuten nach der Geburt gehörten Neele. Sie wurde sogleich Nancy in den Arm gelegt, noch mit leichter Käseschmiere versehen.
„Oh man wie schön sie ist“, waren eine meiner ersten Worte.

Sorry…ich brauche mal eine kleine Pause…gleich geht’s weiter 😉

Neele kam genau um 10 Uhr 58 zur Welt, wog 3610Gramm und war 55cm groß. Somit kein Riesenbaby, wie Nancy vorher dachte. Sie ist zwar groß, aber zierlich und schlank. Gesundheitlich wurde gleich festgestellt, dass alles dran und sie gesund ist.
Nun war Neele endlich bei uns, in den Armen ihrer glücklichen und liebenden Eltern. Ich durfte sie zum ersten Mal in den Arm nehmen, als sie gemessen, gewogen und angezogen war. Was für ein Gefühl.
Die ersten Fotos waren nun an der Zeit. Oma bekam natürlich das erste und vor allem die Nachricht von Neele`s Geburt.
Wie man hört hat sie beim Lesen dieser Nachricht vor Freude ein Sprechstundenzimmer im fernen Thüringen zusammengeschrien.
Schon bald informierten wir auch weitere, nahe stehende, Mensche. Das geht ja heute am besten per Whatsapp-Gruppe. Diese wurde natürlich umgehend ebenfalls ins Leben gerufen.
Gegen 12 Uhr 45 durften wir dann wieder in unser Familienzimmer, dieses Mal mit Neelchen dabei, im Beistellbettchen.
Im Zimmer angekommen, stand schon das Essen parat.
Davon hatten wir in den letzten 15 Stunden auch viel zu wenig.
Der Rest des Tages gehörte uns Dreien und ein wenig den vielen Glückwünschen anderer, per Smartphone. Alles andere nach der Geburt an dem Tag, habe ich fast vergessen. Manches ist dann doch zu viel was man zum Aufnehmen in der Lage ist.

nächste Folge- Tag 2

Hinterlasse einen Kommentar