Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr?

Seit gut 5 Monaten bin ich nun in die Gruppe der Väter „aufgestiegen“. Ich nenne es mal so, weil es ein ganz anderes Verantwortungsbewusstsein erfordert, als das Dasein eines Singles. Nur für sich selbst die Verantwortung tragen kann ja für den ein oder anderen schon eine schwere Aufgabe sein, aber für das beginnende Leben anderer eine Verantwortung zu tragen, ist in jedem Fall eine weit schwierigere Aufgabe.
Doch was hat sich bei mir und in meinem Leben verändert, seit dem es meine Tochter gibt? Was sich bei ihr ständig verändert, habe ich ja an anderer Stelle schon geschrieben. Doch was macht es mit mir?
Nun ja, seit 5 Monaten ist die Zeit, die man nur für sich hat, rar geworden. So ein kleiner Mensch beschäftigt einen Tag und Nacht, eigentlich jede Minute des Tages und eben auch in der Nacht. Ich habe ja noch vordergründig den Vorteil zur Arbeit gehen zu können, während meine Frau, die ganze Zeit mit ihr verbringt. Aber der Vorteil ist keiner.
Dieser „Vorteil“ verpflichtet mich für einen geregelten Lebensunterhalt meiner kleinen Familie zu sorgen. Ich bin verantwortlich dafür, dass wie sprichwörtlich etwas „zu beißen“ haben, egal ob mir der Job gefällt oder gar leicht fällt. Es ist meine, bewusst gewählte Aufgabe, das nötige Geld mit nach Hause zu bringen. Vorher brauchte ich dabei nur an mich denken und konnte neu beginnen, wenn mir danach war. Ich war ja nur für mich verantwortlich.
Heute sieht die Welt anders aus und somit hat sich etwas Gravierendes verändert.
Aber auch zuhause steht das Kind an erster Stelle, nicht die Frau oder gar ich selbst! Was macht Neele, geht es ihr gut, was braucht sie, was hat sie, was können wir für sie tun, damit es ihr immer gut geht? Das sind die ersten Fragen, die wir uns stellen, sobald wir aufwachen. Neele ist jetzt unser Mittelpunkt, um den sich alles dreht.
Sämtliche Fragestellungen und Tagespläne haben immer auch mit ihr zu tun. Ich bin nicht mehr nur ich, ich bin auch Neele und ich bin auch meine Frau. Ich bin halt jetzt Papa und Ehepartner.
Verantwortung ist das Wort und der Begriff, der und das nun mein Lebensinhalt ist. Damit umzugehen ist nicht so ganz einfach. Doch wie schon gesagt, es war so bewusst und mit Liebe gewählt. Dennoch muss man erst in diese neue Aufgabe hineinwachsen. 5 Monate können da erst ein Anfang sein. Sicher geht das meiner Frau ganz genauso.
Wir sind nicht mehr zu zweit, haben nicht mehr den Luxus darüber nachzudenken, was wir morgen freizeitmäßig entspannendes machen können. Heute geht es darum darüber nachzudenken was wir als Familie sinnvolles tun können, wie wir uns am besten so organisieren, dass noch etwas Zeit übrig bleibt, in der man so etwas tun kann, wie ich hier gerade, nämlich schreiben oder lesen. DAS ist der Luxus, den wir uns jetzt noch gönnen können, manchmal.
Man muss lernen dies Momente zu genießen, auch wenn dabei die Gedanken parallel immer um die Frau und das Kind kreisen. Es ist ein Lernprozess und eine starke Veränderung des eigenen Lebens. Genauso geht es im Übrigen unserer Tochter, die jeden Tag etwas Neues erlebt und sich versucht, diesen neuen Dingen zu öffnen und daran zu wachsen. Nicht anders ergeht es uns als Eltern. Man kann nicht erwarten, dass so etwas leicht und von heute auf morgen geht. Wichtig ist nur, dass man bereit dazu ist und diese Aufgabe mit Liebe angeht. Es ist mal leicht, mal weniger leicht und auch mal schwer. So lange man die gleichen Ziele anstrebt, so lange man sich dabei liebt, Geduld miteinander hat, so lange wird es immer besser werden. Es ist sicher eine der schönsten Aufgaben und Herausforderungen der Welt Vater, oder Eltern zu sein. Unser Kind ist das Ergebnis unserer Liebe. Nichts anderes hat es auch verdient. Nur darf man manchmal nicht vergessen sich auch selbst zu lieben, für alles was man tut, für alles was man an Kraft und Verantwortung immer wieder bereit ist aufzubringen. Wir Väter sind es, die ein Drittel unserer 3-köpfigen Familien ausmachen. Ohne dieses Drittel wären sie nicht vollständig. Papa werden ist nicht schwer, Papa „sein“ ist eigentlich nur fair 😉

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