Kennt ihr das auch? Täglich kämpft man mit seinem Gewissen. Sollte man nicht seinem Kunden alles erzählen, was man über sein Verhalten denkt? Sollte man nicht der Schwiegermutter sagen, was einem an ihr nicht gefällt? Sollte man dem Nachbarn nicht einfach sagen, wie ungern man neben ihm wohnt? Sollte man der Verkäuferin/dem Verkäufer nicht einfach sagen, dass sie/er für diesem Job nicht geeignet ist? Sollte man der/dem sehr guten Bekannten oder Kollegin bzw. Kollegen, nicht einfach ins Gesicht sagen, dass ihre/seine Ansichten total „daneben“ sind? Nein, man tut es nicht und schämt sich teilweise dafür. Warum? Weil man ein Gewissen hat und dieses einfach sagt: „Feigling“.
Und dann schaltet sich der Verstand ein und sagt: „Was würde es bringen, außer Streit und dauerhaften Unfrieden? Und schon meldet sich das Gewissen wieder und sagt: „Es wäre aber ehrlicher und genau das was du denkst.“ Darauf der Verstand: „Was man nicht weiß macht einen auch nicht „heiß“. Es bringt nichts außer ein gestörtes Verhältnis und vielleicht sogar Rache.“ Und recht hat er der Verstand. Manchmal sollte man lieber weniger sagen, denn „weniger ist manchmal mehr“, schon allein des Friedens und der Harmonie wegen. Und wie ist es beim eigenen Partner, bei einem Familienmitglied? Sollte man da auch mal lieber weniger sagen? Ja, wenn das einzige Resultat der „Ehrlichkeit“ Unfriede und Enttäuschung wäre, dann ja. Man muss nicht alles sagen, was einen „bewegt“ und vor allem dann dem anderen schaden könnte. Ist es dann „Betrug“ am Partner, an der Familie? Nein, ich denke nicht, denn andererseits beschützt man ihn ja auch. Ist es Scheinheiligkeit, wenn man glaubt ihn den Partner oder das Familienmitglied damit zu „beschützen“? Auch das denke ich nicht, denn mit „beschützen“ ist ja gemeint, dass man verhindert, dass er oder sie sich verletzt fühlt. Wer, wenn nicht absichtlich gewollt, will schon seinen Partner oder das Familienmitglied verletzten? Klar, man schützt sich selbst dann auch, vor den eventuellen Unmutsäußerungen des anderen. Und wer hat schon Lust darauf? Mit anderen Worten hat es einen positiven Effekt für beide Seiten, wenn man nicht immer alles sagt, was man denkt und tut. Zudem halte ich es für sehr wichtig, dass auch jeder seinen persönlichen inneren Freiraum behält und nicht sein ganzes Selbst anderen Nahestehenden unterstellt. Was hat man noch, wenn man selbst seine Gedanken offenbaren muss oder soll? Wir streben alle nach Freiheit. Das bedeutet dann aber auch innere Freiheit, dass die Gedanken frei sein dürfen und keiner Kontrolle durch Zweite oder Dritte unterliegen. Und mal anders herum ehrlich gefragt…wer möchte schon von seinem Partner oder von anderen wissen, was ihm oder ihr an einem missfällt? Und wie steht es da mit Aktivitäten, des Einzelnen? Sollte man auch diese immer teilen bzw. mitteilen? Ich denke schon, es sei denn man würde den anderen dadurch „verletzten“ oder in irgendeiner Form schaden. Dann sollte man es besser für sich behalten und mit den Konsequenzen, die sich dadurch ergeben, leben. Ein jeder ist seinen Glückes eigener Schmied…und sollte es auch bleiben. Wenn schon unsere äußere Freiheit in irgendeiner Form eingeschränkt ist, dann sollte man wenigstens die innere behalten. Oder nicht?
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